Live-Daten · Statistisches Bundesamt ·
Seit 2020, für die gleichen Alltagsprodukte. Über 5 Jahre: 34.680€. Detaillierte Aufschlüsselung ↓
Die Bundesregierung misst 441 Produkte und mittelt sie zu einer Zahl. Hier siehst du, was dabei rauskommt — und was dabei versteckt wird.
Die Jahresinflation von 2,1 Prozent liegt leicht über der EZB-Zielmarke, doch die kumulierte Preissteigerung von 22,8 Prozent seit 2020 zeigt, dass Verbraucher deutlich mehr zahlen als vor sechs Jahren.
Quelle: Destatis Verbraucherpreisindex (VPI) 61111-0004 · Inflationsrate: Destatis Jan '26
Was die offizielle Zahl bedeutet — und was sie verschweigt
Das Statistische Bundesamt (Destatis) weist aktuell eine Inflationsrate von 2.1% aus. Das beschreibt, wie sich der Verbraucherpreisindex im Vergleich zum Vorjahresmonat verändert hat. Der VPI erfasst rund 700 Güter — von Butter über Bustickets bis zu Breitbandanschlüssen.
Die 2.1% klingen nach Entspannung. 2022 lag die Rate bei über 8%. Seitdem ist sie gesunken. Was aber in den Hintergrund rückt: Die Preise sind nicht gesunken — sie steigen nur langsamer. Der kumulierte Preisanstieg seit Januar 2020 beträgt +22.8%. Was Anfang 2020 einen Euro kostete, kostet heute 1.23 Euro.
Besonders bei Alltagsprodukten: Butter +61%, Erdgas +85%, Eier +42%. Diese Produkte kaufst du jede Woche. Fernsehgeräte und Computer — die im Index deutlich günstiger geworden sind — kaufst du nicht jede Woche. Aber sie drücken den Durchschnitt trotzdem nach unten.
Aber warum meldet die Regierung nur 2.1%? Weil der Durchschnitt lügt. Und zwar systematisch.
5 Produkte die den Index nach unten drücken
Was bedeuten diese grünen Balken? Destatis rechnet Butter (+61%) und Fernsehgeräte (−18%) zusammen in einen Durchschnitt. Das Ergebnis: Die offizielle Zahl liegt deutlich unter dem, was du beim Einkaufen merkst.
Methodenkritik am Verbraucherpreisindex
Der VPI gewichtet alle deutschen Haushalte gleich. Ein Rentner in Sachsen, der 35% seines Einkommens für Essen und Heizen ausgibt, wird genauso behandelt wie ein IT-Angestellter in München, der 15% dafür braucht. Die offizielle Rate trifft auf keinen von beiden zu.
Die haushaltsnah gewichtete Teuerung — basierend auf der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) — liegt seit 2020 bei +36%. Destatis weist kumuliert +22.8% aus. Die Differenz von rund 14 Prozentpunkten entsteht, weil der offizielle Index Fernseher, Smartphones und Pauschalreisen einrechnet, die kaum jemand wöchentlich kauft.
Die gestrichelte Linie ist das, was in den Nachrichten steht. Die graue Linie zeigt, was Destatis kumuliert ausweist. Die rote Linie zeigt, was du zahlst wenn 70% deines Budgets in Essen, Heizen, Wohnen und Autofahren fließen. Die Differenz zwischen grau und rot — das sind die 14 Prozentpunkte die der offizielle Durchschnitt versteckt.
Und es hört nicht beim Supermarkt auf. Die Verteuerung zieht sich durch alle Lebensbereiche — vom Einkaufswagen über die Tankstelle bis zur Wohnungssuche.
Preisvergleich 2020 → 2025 · Destatis VPI-Einzelprodukte · Basis 2020=100
Jedes einzelne Produkt in dieser Tabelle kaufen Millionen Deutsche jede Woche. Olivenöl hat sich fast verdoppelt, Butter und Eier kosten über 40% mehr. Der offizielle Verbraucherpreisindex mittelt diese Zahlen mit fallenden Elektronikpreisen zusammen — und kommt auf 2.1%. An der Supermarktkasse merkst du den Unterschied.
Quellen: Destatis VPI 61111-0004 Einzelprodukte (Basis 2020=100) · Durchschnittspreise Discounter
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) Strompreisanalyse 2026 · Haushalt 3.500 kWh/Jahr
Zusammensetzung 2026
Preisentwicklung seit 2010
37,2 Cent pro Kilowattstunde — davon bestimmst du als Verbraucher nur die Wahl des Anbieters. Ein Drittel geht direkt an den Staat. Die Stromsteuer liegt seit 2003 bei 2,05 ct/kWh — unverändert, während sich der Gesamtpreis verdoppelt hat. Deutschland hat 2026 den höchsten Strompreis aller G20-Staaten.
2023 kostete Strom im Schnitt fast 47 ct/kWh. 2026 sind es 37,2 ct — nicht weil Strom günstiger produziert wird, sondern weil der Bund die Netzentgelte mit 6,5 Mrd. € subventioniert.
Eurostat Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) Food kumuliert seit 2015
+51,5% seit 2015 — mehr als Frankreich (+35,5%), mehr als Italien (+35,8%), mehr als der EU-Schnitt (+48,2%). Die Gründe: Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas hat die Energiekosten in der Lebensmittelproduktion massiv verteuert. Dazu kommen steigende Mindestlöhne und die Marktmacht der vier großen Handelsketten, die Preiserhöhungen direkt an Verbraucher weitergeben.
Performance seit 2015, indexiert (2015=100) · CoinGecko, LBMA, Destatis
Gold hat seit 2015 seinen Wert in Euro fast verdreifacht — und damit die offizielle Inflation (+33%) deutlich geschlagen. Bitcoin hat in der gleichen Zeit mehr als das 20-Fache zugelegt, allerdings mit extremen Schwankungen. Wer in beide investiert war, hat Kaufkraft erhalten. Wer nur Bargeld hielt, hat ein Drittel verloren.
Quellen: CoinGecko (BTC/EUR), LBMA Gold Price (EUR), Destatis VPI
Bestandsmieten (VPI) vs. Angebotsmieten (ImmoScout24) · Basis 2015=100
Wer umziehen muss — Berufsanfänger, Geschiedene, Familien — zahlt im Schnitt 81% mehr als 2015. Im VPI sind es nur +22%. In München, Berlin und Frankfurt ist der Unterschied noch extremer. Die offizielle Inflationsrate bildet diese Wohnungsmarktkrise nicht ab.
Bundesbank BBDY1 (127 Städte) vs. VPI · bis 2025
Wer eine Wohnung kaufen will: +130% seit 2010. Im VPI: nur +38%. Diese Schere existiert, weil Kaufpreise für Wohneigentum nicht in den Index einfließen. Seit 2022 sind die Preise leicht zurückgegangen (Zinserhöhung), aber der langfristige Trend bleibt: Wohneigentum wurde in 15 Jahren mehr als doppelt so teuer.
Die Preise steigen nicht von allein. Irgendjemand hat die Geldmenge verdreifacht.
Geldmenge M3 (Bargeld + Einlagen + Geldmarktfonds + kurzfristige Schuldverschreibungen) (M3) Eurozone · Bundesbank BBBS2 · EZB-Leitzins: 2.65%
2000: 4.900 Mrd. €. Heute: 16,800 Mrd. €. Verdreifacht. Die Wirtschaftsleistung? Nicht. Wenn mehr Geld auf die gleiche Menge an Gütern trifft, steigen die Preise.
Von 2016 bis 2022 lag der EZB-Leitzins bei 0,00%. Sechs Jahre kostenloses Geld. Die Geldmenge wuchs von 11.300 auf 15.400 Mrd. €. Als Lieferketten zusammenbrachen und Energie knapp wurde, traf dieses Geld auf ein begrenztes Güterangebot — die Inflation explodierte auf 8,7%.
Die EZB reagierte spät, erhöhte auf 4,50%, senkt seitdem wieder auf 2.65%. Die Inflation ist offiziell zurückgegangen. Aber die kumulierten Preiserhöhungen bleiben. Sie werden nicht rückgängig gemacht. Und die Staatsschulden der Eurozone (über 13 Bio. €) machen niedrige Zinsen politisch attraktiv — auf Kosten deiner Kaufkraft.
Die Geldmenge M3 ist seit 2000 um 243 Prozent gewachsen, während die EZB mit einem Leitzins von 2,65 Prozent eine restriktive Haltung bewahrt.
D-Mark (1970–2001) + Euro (2002–2026) · Destatis & Bundesbank
Drei Phasen: Die Ölkrisen der 1970er (7% Inflation), die Wiedervereinigung 1992 (5,1%), und dann 20 Jahre relative Ruhe. Die Euro-Ära von 2002 bis 2020 war die stabilste Phase seit Bestehen der Bundesrepublik. Dann kam 2022 — und die Rate schoss auf 6,9%. Werte, die Deutschland seit einem halben Jahrhundert nicht gesehen hatte.
Kaufkraft über 56 Jahre · D-Mark → Euro
1.000 D-Mark von 1970 haben heute die Kaufkraft von 204€. Über 80% — weg. Und der steilste Verfall kam nicht in den 1970ern, sondern in den letzten 6 Jahren: Von 251€ (2020) auf 204€ — ein Verlust von 19% allein seit Corona.
Was ist dein Euro seit Einführung noch wert?
Seit der Euro-Einführung (2002) sind die Preise laut Destatis um rund 56% gestiegen. Das bedeutet: 1€ von 2002 hat heute nur noch 64 Cent Kaufkraft. Über ein Drittel — weg. Die Hälfte dieses Verlusts kam allein in den letzten 6 Jahren (seit 2020).
Berechnung auf Basis des Verbraucherpreisindex (VPI 2020=100, Destatis). Kaufkraft = alter VPI ÷ aktueller VPI.
Das sind die großen Zahlen. Aber was bedeutet das für dich — in deinem Bundesland, für deine Rente, an deiner Tankstelle?
Berechnung auf Basis der EVS-Gewichtung
Pro Jahr: 6.936€. Über 5 Jahre: 34.680€. Das sind 12 Monatsgehälter — einfach weg.
Wenn du seit 2020 keine Gehaltserhöhung bekommen hast, fehlen dir real 1.080€ pro Monat.
Wähle die Kategorien die deinen Alltag bestimmen · Basis: 441 Destatis-Kategorien
Der offizielle VPI gewichtet nach Durchschnitt. Aber dein Warenkorb ist nicht der Durchschnitt. Wähle unten, wofür du wirklich Geld ausgibst — und sieh deine persönliche Inflationsrate seit 2020.
Destatis 61111-0010 ·
Brandenburg (+23,7%), Sachsen (+23,6%) und Bremen (+23,6%) trifft es am härtesten. Ostdeutsche Haushalte geben einen größeren Anteil ihres Einkommens für Essen und Energie aus — und die Löhne liegen 15% unter Westniveau. Die gleiche Teuerung trifft dort deutlich härter.
Eckrente brutto vs. reale Kaufkraft
Die Rente steigt nominell — auf 1.890€ brutto (2026). Aber die Kaufkraft sinkt: Ein Eckrentner hat heute weniger Kaufkraft als 2020. Für 21 Millionen Rentner bedeutet das: Jedes Jahr wird der reale Wert kleiner, besonders seit Lebensmittel und Energie am stärksten gestiegen sind.
Wer für die Rente spart und das Geld auf dem Girokonto lässt, verliert real an Wert. Bei +22.8% kumulierter Inflation hat ein Sparbuch mit 0,5% Zinsen in 6 Jahren rund 20% Kaufkraft verloren.
Tankerkönig / Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) ·
Ø Tagespreis nach Stadt
Täglich aktualisiert · Quelle: Tankerkönig / MTS-K
Benzinpreise sind seit Januar 2020 um 40,7 Prozent gestiegen und liegen mit 1,95 Euro pro Liter deutlich über dem damaligen Niveau.
Historischer Verlauf seit 2005
Bundesdurchschnitt · Allgemeiner Deutscher Automobil-Club (ADAC) + Tankerkönig
E10 lag im Januar 2020 bei 1,389€. März 2022 (Ukraine): 2,189€. Aktuell: 1.954€. Diesel liegt seit 2023 meist höher als E10 — eine historische Umkehr, verursacht durch die Abkehr vom russischen Diesel und gestiegene Heizölnachfrage.
Energiesteuer seit 2003 unverändert · CO₂-Abgabe 2026: Preiskorridor 55–65€/t (Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG)) · Quelle: ADAC, März 2026
Die Energiesteuer allein macht bei Benzin 65 Cent pro Liter aus — festgeschrieben seit 2003, nicht inflationsangepasst. Dazu kommen seit 2021 die CO₂-Abgabe (2026: bis 18,5 ct/L für Benzin) und 19% Mehrwertsteuer auf alles — auch auf die anderen Steuern. Steuer auf Steuer.
Döner-Preis 2010–2025 · Lieferando Index
Von 3€ auf 8.20€. Der Döner enthält alles was teurer geworden ist: Fleisch, Brot, Gemüse, Energie, Miete, Mindestlohn. +173% seit 2010 — bei offiziell +30% VPI. Der ehrlichste Inflationsindikator Deutschlands.
Eurostat HVPI ·
Deutschland liegt mit 2,1 Prozent unter dem EU-Schnitt — nur wenige Länder schneiden besser ab, während Österreich mit 3,8 Prozent deutlich höher liegt.
Deutschland liegt mit 2.1% unter dem EU-Schnitt — aber bei Lebensmitteln auf Platz 1 in Westeuropa. Frankreich meldet nur 0,7%: massive Preisdeckel und Subventionen drücken die Zahl. Verschiedene Länder rechnen verschieden — der Vergleich hat Grenzen.